Pro Uhu-Nord - Titel 3

Projekte
Integriertes Waldkauzmonitoring

WK_Rossen

Lebenstüchtig durch Flexibilität
Der Waldkauz ist unsere häufigste Eule. Das verdanken wir vor allem seiner großen Flexibilität bei der Brutplatzwahl und der Breite seines Beutespektrums. Die heulenden Balzrufe des Waldkauzes, die schon im Januar/Februar in der Dämmerung und in der Nacht zu hören sind, sind neben denen des Uhus wohl die bekanntesten Eulenrufe. Jeder kennt sie z. B. aus Krimis im Fernsehen, in denen der Ruf des Waldkauzes für eine besonders gruselige Atmosphäre sorgen soll.

Typisch für den Waldkauz sind sein gedrungener Körper, ein runder Kopf ohne Federohren und schwarz-braune Augen. Die Grundfarben seines Gefieders sind grau, dunkelbraun oder rostrot. Im Übrigen ist der Waldkauz etwas über 40 cm groß, wobei das Männchen meist etwas kleiner als das Weibchen ist. Die Flügelspannweite des Weibchens beträgt ca. 98, die des Männchens 93 cm. Das Weibchen wiegt ungefähr 560, das Männchen 440 g.

 

Förderung auch für den Waldkauz
Obwohl der Waldkauz noch relativ häufig vorkommt, gehen die Auffassungen über die tatsächlichen Bestände und deren Einflüsse auf andere Vogelarten wie z. B. die sog. "Kleineulen" (u. a. Steinkauz, Raufußkauz und Sperlingskauz, die zum Teil nur in wenigen Exemplaren in Schleswig-Holstein brüten) weit auseinander.

Einigkeit dürfte über den Vorschlag von Theodor Mebs bestehen, dass in Gebieten, in denen auch der Steinkauz bzw. Sperlingskauz und Raufußkauz vorkommen, auf eine gezielte Förderung des Waldkauzes durch Nistkästen verzichtet werden sollte. Die Forderung des Vorsitzenden des Landesverbandes Eulenschutz in Schleswig-Holstein e. V. dagegen, "auf jegliche Förderung des Waldkauzes in Schleswig-Holstein zu verzichten" (!), verfehlt nach Auffassung von Pro Uhu-Nord e. V. - Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz in Norddeutschland - weit das Ziel einer ausgewogenen Förderung aller Eulen, also auch des Waldkauzes - eines "Glücksfalls der Evolution" für Schleswig-Holstein.

Monitoring soll offene Fragen klären
Um bei einer Reihe von Fragen, auf die es beim Waldkauz bisher noch keine befriedigenden Antworten gibt, mehr Klarheit zu schaffen, führt Pro Uhu-Nord e. V. - Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz in Norddeutschland - ein vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gefördertes "Integriertes Waldkauzmonitoring in Schleswig-Holstein" durch. Diesem Monitoring liegt ein detailliertes, die Jahre 2007 bis 2010 umfassendes Arbeitsprogramm zu Grunde.

Die Fragestellungen
Mit den Untersuchungen sollen generell folgende Fragestellungen geklärt werden:

- Wie viele Waldkäuze haben ein Revier auf einer Probefläche?

- Welche Habitate sind besiedelt (Wald, Siedlung, Gehöfte, verschiedene Waldtypen, unterschiedlich alte
   Baumbestände)?

- Wie viele Revierpaare brüten? Gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen den Habitaten?

- Welche Brutplätze werden gewählt?

- Wie hoch ist der Bruterfolg in verschiedenen Habitaten?

- Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Naturräumen in Schleswig-Holstein?

- Welche Faktoren steuern die Revier- und Brutdichte?

- Welchen Einfluss auf das Besiedlungsmuster des Waldkauzes hat der Uhu, der sich erst in den letzten Jahren
   wieder in vielen Wäldern angesiedelt hat?

Bei Nistkastenpopulationen geht es um die Klärung folgender Fragen:

- Welcher Anteil der Revierpaare besiedelt die angebotenen Kästen?

- Kann durch das Anbringen von Nistkästen der Brutbestand erhöht werden oder kommt es nur zu
   Umsiedlungen?

- Haben Kastenbrüter einen höheren Bruterfolg als andere Paare?

- Hat die Kontrolle von Nistkästen Einfluss auf die Wiederbelegung?

Die Untersuchungsgebiete und -methoden
Als Untersuchungsgebiete werden ein größerer Landschaftsausschnitt mit unterschiedlichen Habitaten sowie einzelne größere Wälder ausgewählt.

In einem ausgewählten Wald hängen zur Zeit noch keine Kästen, so dass hier in einem "Vorher-Nachher-Vergleich" der Einfluss von künstlichen Bruthöhlen auf den Bestand untersucht werden kann.

Auf allen Untersuchungsflächen werden im Spätwinter/Frühjahr Revierkartierungen mit Klangattrappe durchgeführt, um die Anzahl der Reviere zu ermitteln. Zur Erfassung des Bruterfolges werden in den Wäldern mit Nistkästen alle künstlichen Bruthilfen kontrolliert. Außerdem werden in allen bei der Revierkartierung festgestellten Waldkauzrevieren die bettelnden Jungen im Ästlingsstadium erfasst. Durch diesen Untersuchungsansatz bekommt man Angaben zur Anzahl der erfolgreichen Paare und zum Anteil von Nistkasten- und Naturhöhlenbrütern in den einzelnen Wäldern.

Durch die Beringung von Jungeulen (in den Nistkästen) und Altvögeln (Keschern am Nistkasten) werden Daten zum Populationsaufbau und zur Reviertreue ermittelt.

Berichte über den Fortgang der Waldkauzuntersuchung
Wir hoffen, dass dieser ausführliche Bericht über einen Teil unserer Arbeit Sie interessiert hat.

Über den Fortgang unseres Waldkauzmonitorings, das sicherlich auch als Modell für andere Regionen und Eulenarten dienen kann, werden wir unsere Leserinnen und Leser weiterhin unterrichten.